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Anleitung zum Gstanzlsingen

2009-02-08 22:31 von Werner Schoenfeldinger (0 Kommentare)

ein kleiner Leitfaden....

Was sind Gstanzln?

Gstanzln bilden eine eigenständige Liedgattung. Einer der frühesten Volksmusikforscher beschreibt sie unter anderem folgendermaßen: "...es steckt also keine Spur von Kunst in ihnen." Zumeist wurden und werden sie von unbekannten Autoren geschrieben.
Das Wort "Gstanzl" leitet sich wahrscheinlich vom Italienischen Stanza = Strofe ab. Das G am Anfang ist ein typisch mundartlicher Zusatz.

Bedeutung:

Gstanzl erklingen spontan, ungekünstelt und grob. Sie schöpfen auch heute noch voll aus der Mundart. Die ehemalige Bedeutung als weit verbreitete Möglichkeit der Unterhaltung, Konfliktaustragung und Liebeswerbung, die besonders im oberösterreichischen Innviertel legendär ist, haben die Vierzeiler heute weit gehend verloren.

(Reim-)Formen:

  • Vierzeiler: ABAB, ABBA
  • Dreizeiler: xABA
  • Zweizeiler: AA

Einige Hinweise:

  • Wahrer Humor zeigt sich, wenn man auch über sich selbst lachen kann. Am besten man fangt beim Aussingen bei sich selbst an.
  • Auch kann man durchaus zugeben, dass man nur ein Amateur ist: „Ja i bin beim Gstanzlsinga - grod an Amateur, aba i sogs eich gewiß - des is gar koa Malheur.“
  • „Denn wenn´s auf dera Welt - grod lauta Profis gab, dann werad´s auf d´letzt - boid a ganz schee fad.“
  • Wenn man sich beim Anfangen versingt, lieber einfach durchwurschteln anstatt absetzen und nochmal anfangen.
  • Wenn man sich am Ende versingt und auf keinen Reim kommt, das Gstanzl auf lustige Art und Weise zu Ende bringen. Auch wenn sich´s nicht reimt, hat man dann die Lacher auf seiner Seite.
  • Bestimmte Gstanzl lassen sich planen und letztlich auswendig lernen „Aus der Konserve“. So eignet sich zum Beispiel folgendes Gstanzl, wenn man beim Dagegensingen auf einer Hochzeit wieder zu Ende kommen will: „I glab iatz hear i dann - wieda auf zum Singa, doch zum Schluss woin ma no - aufs unsa Brautpaar tringa.“ und „Hoch soll es leben - mit Gottes Segen, dass d´Liab nia vageht - sondan ewig besteht.“

Wann werden Gstanzln nicht gesungen:

  • Immer wieder erlebt man Attacken auf anwesende Personen oder auf Berufsgruppen "unter der Gürtellinie", d.h. die auf deren Sexualleben anspielen, besonders beliebt sind dabei die zölibatären Berufsstände der Kirche (Pfarrer, Nonnen). Das ist vermeidbar....
  • Überhaupt sollte man beim Thema Sexualität den "Anstand" nicht vermissen lassen.
  • Auch auf Behinderungen oder Krankheiten von Menschen singt man in der Regel keine Gstanzl.
  • Die hohe Kunst ist es, Gstanzl auch ohne Kraftausdrücke zu gestalten...
  • Wenn ein "Amateur" oder "Anfänger" dagegensingt, dann können die Erfahrenen ihm helfen. Auf keinen Fall gehört er niedergesungen so wie das zuweilen in der Steiermark vorkommt. Wenn man selbst betroffen ist, eignet sich folgendes Gstanzl als "Retourkutsche": „Wenn du moanst du bist gescheit - dann liegst du verkehrt, denn des wos du jetzt gsunga host - war oafach nur g´schert.“

Reimpaare

Das Reimen ist beim Gstanzlsingen eine reine Übungssache. Das scheinbare Talent der Schlagfertigkeit basiert auf dem Parat haben von Reimpaaren. Wir haben einige unten angeführt (auf das Wort "Mensch" reimt sich nur sehr wenig):
  • Mann, kann, an, voran, Hahn, sodann
  • Frau, schlau, miau, obaschau, klau
  • Seitn, leutn, leid
  • (Weiba)Leit (Leute), Seit, Streit, weit, Freid (Freude), gscheit, gedeiht, Zeit
  • tragn, schlagn
  • Rua, Bua, zua, Schuah
  • Klarinett´: Quartett
  • anglogn, gflogn, betrogn
  • dischkriert, gspürt
  • Zeitvertreib, Weib
  • alloa, kloa
  • bleib´m, schneid´n
  • nia, Knia, mia, Bia (Bier), Kia (Kühe)
  • tat, fad
  • vorn, verlorn
  • treu, dabei
  • gwißt, dawischt
  • lacht, Nacht, Wacht, sacht
  • schwer, mehr, Gwehr
  • Geld, Welt
  • schreits, Kreuz
  • glei(ch), fei(n), sei(n)
  • Beicht, leicht, seicht
  • klappn, Pappn
  • Kaffee, geh, steh, sche (schön), Reh, weh, See
  • süaß, Füaß
  • Ruam (Rüben), Buam
  • kemma (kommen), nehma
  • Universität, bläd
  • bist, Mist
  • Händ, End
  • oan (einen), koan (keinen)
  • sitzt, schwitzt
  • tuat, Muat, Gluat (Glut
  • vagunnt, Hund, rund, Schund
  • nix, Bix (Büchse)
  • schaun, traun, haun (schlagen)
  • rührn, fotogarfiern
  • Wirt, zviert, zitiert
  • Dudlsack, platt, glatt
  • Stoana, Boana, Oana
  • Heroin, Hin, Wien
  • Gutenbrunn, Sunn
  • Mann, kann, Tann, sodann, an, voran
  • Geschenkt, verrenkt, gelenkt
  • Auffi, sauffi
  • Weggeht, gelegt
  • Politik, Pik
  • Steuer, teuer, Feuer, neuer
  • Schaps, Klapps, habs

Regeln zum Dazuspielen:

  • Grundregel: 1x Spielen—1x Singen, wenn keinem ein Gstanzl einfällt dann entweder eines aus der Konserve singen bzw. eine „Leerstrophe“ (=1x Spielen) einfügen.
  • Bei der Gesangsbegleitung ist es—aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Sänger besser, einfach nur die Akkorde auszuhalten und bei den Zeilen zu wechseln—in jedem Fall kein „Durchbegleiten“. Im Idealfall spielt nur Harmonika und Bass.
  • Beim Spielteil wieder in das ursprüngliche Tempo zurückkehren (für die Pascher) und nicht zu schnell spielen—da sonst die Möglichkeit zum Paschen schwerer gegeben ist, und weniger Zeit für das überlegen von Gstanzln da ist.
  • Tonartwechseln ist beim Spielen möglich. Grundsätzlich fängt man in einer Tonart an (Männer D, Frauen G) und wechselt dann auffi (Männer G, Frauen C). Gemischt ist es eventuell gut, dass man in G anfängt und dann einige Durchgänge in C singt und dann wieder nach G geht.
  • Werden einige instrumentale Landler gespielt, dann  empfiehlt es sich, mit einer Kadenz (1., 4., 5., 1. Stufe) auf die Gstanzln überzuleiten. Auch das Gstanzlsingen ist mit einer Kadenz zu beenden oder auf Schleunige überzuführen (3/4 > 2/4 Takt).
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Eine der vielen Gstanzl-Melodien....

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